Abschiebung: Klare Verantwortung herstellen
Gewerkschaft
der Polizei - Bezirk Bundesgrenzschutz, 08/1999
Abschiebung:
Klare Verantwortung herstellen
Am 25.
Juni 1999 hat Bundesinnenminister Otto Schily den unmittelbar nach dem tragischen
Todesfall des Sudanesen Aamir Ageeb verfügten Stopp der Begleitung von Rückführungen
ausländischer Staatsangehöriger auf dem Luftweg durch den BGS aufgehoben. Der
Inspekteur BGS, Walter Sperner hat dazu am gleichen Tag unter der Leitlinie
" Keine Rückführung um jeden Preis" umfangreiche Verhaltenskritierien angeordnet,
die u. a. den Einsatz des Integralhelmes verbieten. Jetzt ist es vordringlich,
die bisher bestehenden und bei der ersten Auswertung der innerbehördlichen Ermittlungen
zum Todesfall Ageeb noch einmal deutlich gewordenen Schwachstellen vor allem
im Bereich der Kommunikations- und Verantwortungsstrukturen zwischen den verschiedenen,
beteiligten Behörden zügig zu beseitigen.
Warum war das P. A. ( Positional
- Asphyxia ) Phänomen, daß durch Studien in den USA über plötzliche Todesfälle
im polizeilichen Bereich festgestellt worden war, nicht im Rückführungsbereich
bekannt ?
Warum hat die zuständige
Ausländerbehörde dem Bundesgrenzschutz vor der Abschiebung wichtige, personenbezogene
Merkmale und Verhaltensmuster nicht mitgeteilt ?
Warum wurden qualifizierte
Vorschläge zur Verbesserung der Handlungsmöglichkeiten von Rückführungsteams
im Bereich der sozialen Kompetenz, der Kommunikation und der Anwendung von Selbstverteidigungstechniken,
die Anfang 1998 von erfahrenen Praktikern am Frankfurter Flughafen erarbeitet
wurden, nicht umgesetzt ?
Wurde der Integralhelm
vor seinem Einsatz qualifiziert getestet und welche qualifizierte Stelle hat
diese Tests durchgeführt ?
Wer wertet die ständig
neuen Erkenntnisse, die die Kolleginnen und Kollegen bei den Rückführungen gewinnen
aus, tauscht sie mit allen beteiligten Behörden aus und setzt sie in Aus - und
Fortbildung um ?
Alle diese unbeantworteten
Fragen beinhalten das gleiche Grundproblem. Sie machen nicht zu akzeptierende
Kommunikations-, Anordnungs- und Verantwortungsdefizite im Zusammenwirken der
bei den Rückführungen beteiligten Behörden deutlich. Dieses "Behördenwirrwar",
der in anderen Aufgabenbereichen gerade noch zu ertragen ist, darf bei den polizeilich
und menschlich besonders problematischen Rückführungen auf keinen Fall noch
weiter fortgeführt werden. Wir erwarten von den Verantwortlichen von Bund und
Ländern, daß sie zügig und konsequent dafür sorgen, daß für den Bereich der
Rückführung von ausländischen Staatsangehörigen klare und eindeutige Kommunikations-,
Anordnungs- und Verantwortungstrukturen geschaffen werden. Wir, die Gewerkschaft
der Polizei, Bezirk BGS haben den dringenden Handlungsbedarf in dieser Frage
auch in einem, dem Bundesminister des Innern vorliegendem Handlungskatalog deutlich
gemacht und wir werden uns weiter für die Beseitigung der genannten Probleme
einsetzen. Nicht die voreilige, gegenseitige Zuweisung von Schuld, nicht Verärgerung
über vorgetragene Kritikpunkte, sondern der wirkliche Wille, die bestehenden
Schwachpunkte im Bereich der Rückführung jetzt konsequent zu verbessern, diese
Haltung ist jetzt von allen Beteiligten und Verantwortlichen gefragt.